Coole Blicke für Anfänger in Marseille

1122

Zu Beginn meines Abenteuers, das Marseille heißt, war ich häufig überrascht, welch ungeheure Aufmerksamkeit ich auf mich zog. Ich spazierte durch die Straßen, ging einkaufen oder manchmal einen Cafe trinken. Ich führte ein bescheidenes und ganz unauffälliges Leben in meinem winzigen Appartement im Herzen der Stadt.

Und doch, irgendetwas war seltsam. Wenn ich so durch die Straßen flanierte, wurde ich angestarrt. Nicht nur von Männern, nein, von Frauen gleichermaßen. „Was ist bloß los?“ fragte ich mich das eine ums andere Mal verunsichert. Ist Deine Schminke verschmiert? Hast  Du eine klaffende Wunde an der Stirn? Unauffällig nestelte ich einen kleinen Spiegel aus meiner Handtasche und warf einen kurzen Blick hinein. Nein, nichts, alles ganz normal.

Männer unternahmen die  tollkühnsten und verrücktesten Sachen. Pfiffen, hupten, tröteten, wilde Schlenker mit ihren Autos oder Motorrädern vollführend. Einmal schoss ein Mopedfahrer direkt auf mich zu, hielt einen Meter vor mir an und lud mich ein, nicht nur einen Kaffee mit ihm zu trinken.

City centre of Marseille, France

Ja, irgendetwas war seltsam. Mehr aus einem Akt der Verzweiflung, denn aus Berechnung kaufte ich mir eine Sonnenbrille. Diesem Phänomen musste ich auf den Grund gehen. Ich schlüpfte in unauffällige Kleidung, setzte meine Brille auf und machte mich auf, dieses sonderbare Verhalten der Marseillais zu ergründen.

Ich erkor die Avenue du Prado zum Zielgebiet meiner  Forschungen. Wie zuvor schlenderte ich durch die Straßen und guckte mich um. Was geschah kam einem kleinen Wunder gleich. Kein Starren, kein wild gewordenes Hupen und keine sonderbaren Vorkommnisse. Nein, nichts. Die Sonnenbrille half.

Ich setzte mich in ein lebhaftes Cafe, um meine Beobachtungen fortzuführen. Unter einem Sonnenschirm versteckt, hatte ich freie Sicht auf die vorbeieilenden  Passanten. Und was ich dann erspähte, verblüffte mich sehr. Sie schauen sich nicht an, die Marseillais. Wer in Deutschland durch die Straßen spaziert, sieht einem Fremden, der ihm auf dem Bürgersteig entgegenkommt, für einige Sekunden an. Und das ist sowohl in der Großstadt, als auch auf dem Lande üblich.

Port de Cassis

 

Manchmal begleitet von einem beifälligen Nicken oder einem angedeuteten Gruß. Dies geschieht völlig unbewusst und ist von Kindheit an eingeübt.  Dieser kurze Blick zeugt von Kenntnisnahme, Wohlwollen und Respekt. „Schau mir in die Augen Kleines“ gilt jedoch nicht für Marseille.

„On ne regarde pas les gens dans les yeux, ici „, erzählte mir eine Freundin, der ich von meinen Beobachtungen  berichtete. Dieser kurze Blick wird hier als Aufforderung zu einem intensiven Flirt betrachtet.  Oder gar als leichte bis mittlere Aggression ausgelegt.

Im hitzigen Süden Frankreichs lässt man seinen Blick auf mittlere Entfernung eingestellt und schaut, etwas gelangweit, an den Passanten vorbei. Sollte es einem übrigens nicht gelingen, diese Technik innerhalb kürzester einzuüben, so empfiehlt sich – natürlich außer bei Regen – einfach eine Sonnenbrille zu tragen.

Ihr wollt keinen Artikel mehr aus dem HRS Reiseblog verpassen? Dann folgt uns doch per Mail oder RSS-Feed.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Christina
Christina ist die HRS Expertin für berufliches Reisen. Sie kennt stets die neusten Businesshotels und Restaurants, hat immer die besten Travel Hacks parat und weiß, wie man auf dem Businesstrip am effektivsten seine knappe Freizeit nutzt. Christinas Lieblingshotels sind das Hotel Zoo Berlin, das QVEST in Köln, das Boutique-Hotel Constanza in Barcelona und das Design-Hotel Ekies all senses in der griechischen Region Chalkidiki. Was ihrer Meinung nach bei keiner Reise fehlen darf? Am Abend ein schönes Steak im Hotelrestaurant und ein Moscow Mule an der Hotelbar.