Als Stewardess arbeiten: Über Fernbeziehungen, Heimweh und Reiselust

2977
Flugzeug im Abendhimmel

Montag Hawaii, Dienstag Miami und übers Wochenende nach Tokio – das Jetset-Leben einer Stewardess klingt für viele nach einem Traumberuf. In welchem anderen Job besteht die Möglichkeit so viel von der Welt zu sehen, und dafür auch noch bezahlt zu werden. Aber wie schwierig ist es in der Ferne, Beziehungen aufrecht zu erhalten? Und was hilft gegen Heimweh? Im Interview mit der ehemaligen Flugbegleiterin Hannah Dompke erfahren wir, wie es ist, als Stewardess zu arbeiten.

Bloggerin Hannah Domke
Bloggerin Hannah Domke

Nach ihrem Abschluss in BWL wollte Hannah noch einmal etwas komplett Anderes machen. Nicht gleich in einem Nine-to-Five-Job anfangen, ohne je etwas von der Welt zu sehen. Das Reisen ist neben dem Kochen Hannahs große Leidenschaft. Sie liebt es, zu fliegen und ist gerne eine gute Gastgeberin. Die perfekten Voraussetzungen für das Leben in der Luft: Hannah entschied sich für eine dreimonatige Ausbildung zur Stewardess.

Reisen und Arbeiten unter einen hut bringen

Als Flugbegleiterin sieht man viel von der Welt: Heute hier, morgen dort, das klingt traumhaft. Doch wie schafft man es in der Ferne, die Beziehung zum Partner aufrecht zu erhalten? Eine Fernbeziehung ist nicht immer einfach. Hannah erinnert sich, dass sie nach einer 12-Stunden-Schicht häufig nur noch ins Hotel und direkt ins Bett wollte. „Für lange Telefonate oder Skype-Anrufe war ich einfach zu müde. Am nächsten Tag musste ich dann wieder topfit sein. Als Stewardess ist es in allererster Linie Aufgabe, die Gäste sicher von A nach B zu bringen und nicht Urlaub zu machen.“ Dennoch sei im Grunde alles halb so wild: „Wir waren ja nie wirklich lange im Ausland und daher blieb auch gar nicht viel Zeit für Heimweh oder Herzschmerz“, sagt sie. „Und wenn wir einen längeren Aufenthalt hatten, habe ich die Zeit natürlich genutzt, um die fremde Stadt zu erkunden. Das bringt einen auf andere Gedanken und wie oft kommt man sonst nach New York oder L.A.? “

Vermissen kann etwas gutes sein

Hannah beschreibt, dass die Phasen, in denen man weit weg vom Partner sei, sogar vorteilhaft für eine Beziehung sein könnten. Manchmal sei es auch schön, sich zu vermissen: So freue man sich umso mehr aufeinander und genieße die Zweisamkeit, ohne sich an kleinen Alltagsproblemen aufzureiben. „Ich denke, man lernt, einander zu vertrauen“. Dadurch, dass eine Stewardess meist fünf bis sechs Tage am Stück unterwegs sei, brauche es Rückhalt aus dem Umfeld. Vor allem wenn man eine eigene Familie gründen möchte: Da sei ein starker Partner oder mobile Großeltern, die auf die Kleinen aufpassen, unabdingbar. Für Mütter oder Väter böten sich zudem Teilzeitmodelle oder Inlandsflüge ohne Zeitverschiebung an.

Flugzeug in der Abendsonne

Als Stewardess arbeiten: traumberuf trotz Heimweh

Aber überkommt einen nicht manchmal trotz allem die Sehnsucht nach der Heimat? Das beste Rezept gegen Heimweh sei es, so Hannah, sich auf die fremde Kultur einzulassen: In der Frühe lockt der Markt in Paris oder abends geht‘s in Shanghai zur Massage. Diese schönen Erlebnisse machten die anstrengenden Flüge wieder wett. Dennoch hätte Hannah die besonderen Momente auch gerne mit ihren Liebsten geteilt: „Ich fand es schade, dass mein Freund oder auch meine Geschwister den Sonnenuntergangan den Niagarafällen nicht miterleben konnten. Solche unvergesslichen Augenblicke sind so viel wertvoller, wenn man sie teilen kann.“

Von der STEWARDESS zur Küchenrebellin

Ein treuer Partner und ein beständiges Leben sind für Hannah durch ihre Arbeit als Stewardess viel wichtiger geworden: „Das Leben aus dem Koffer hat seinen Reiz – ich freue mich aber auch einfach, wenn ich Zeit in der Natur mit meinem Partner verbringen kann.“ Und obwohl sie den Job als Stewardess an den Nagel gehängt hat, bereut Hannah die Zeit nicht: „Durch das Fliegen ist mein Traum wahr geworden, die Welt zu meinem Zuhause zu machen.“ Heute ist Hannah Dompke Ernährungsberaterin und betreibt den Blog kuechenrebellin.de, auf dem sie Tipps und Rezepte für gesundes Kochen gibt.

Wie geht ihr damit um, wenn ihr aus beruflichen Gründen häufig von eurem Partner getrennt seid?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

2 Kommentare