Warum sind wir ständig müde? Warum leiden wir unter Schlafstörungen? Was kann man dagegen tun? Und wie steht es um den gesunden Schlaf in unserer heutigen Gesellschaft?

Schlafforscher und -mediziner Prof. Dr. Fietze
Schlafforscher und -mediziner Prof. Dr. Fietze

Prof. Dr. Ingo Fietze ist Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Er gehörte viele Jahre zum Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin und ist Vorsitzender der Deutschen Stiftung Schlaf. Im Schlaflabor der Charité erforscht Fietze auch die Ursachen für die steigende Zahl an Schlafgestörten. Als Autor hat er mehrere Bücher verfasst, wie zum Beispiel „Die übermüdete Gesellschaft – Wie uns Schlafmangel krank macht“.

Gerade auf Geschäftsreise ist ein gesunder Schlaf wichtig, um fit und ausgeruht in den nächsten Tag zu starten. Doch oft ist es genau andersrum: Statt sofort ins Land der Träume abzutauchen und erst am nächsten Morgen erholt aufzuwachen, fühlen sich viele oft gerädert und unausgeschlafen.

Woran liegt es, dass wir vor allem außerhalb unserer eigenen vier Wände oft unter Schlafstörungen leiden?

Schlafprobleme außerhalb der eigenen vier Wände, wie zum Beispiel im Hotel, sind vor allem ein Merkmal von sogenannten sensiblen Schläfern und Schlafgestörten. Zu Hause haben sie den optimalen Schlafkomfort und schlafen dort somit am besten. Unabhängig davon schlafen wir in der ersten Nacht in einer fremden Umgebung immer schlechter als normal, was sich insgesamt negativ auf den Schlaf auswirkt, wenn wir immer nur kurz in einer neuen Umgebung verweilen.

Worauf sollte man bei der Wahl des Hotels bzw. des Schlafzimmers achten, um gut schlafen zu können?

Wichtig für einen gesunden Schlaf ist, dass wir uns wohlfühlen. In einer fremden Umgebung sollten Geschäftsreisende vor allem auf Licht, Lärm, Temperatur und Komfort achten. Außerdem sollte das Bett ausreichend groß und bequem sein, die Zimmertemperatur nicht mehr als 22 Grad betragen, es sollte dunkel sein und die Geräuschkulisse im Idealfall ruhig. Ausschlaggebend ist außerdem die richtige Matratze: Je weiter fortgeschritten das Alter ist und je mehr Schmerzen man hat, desto weicher sollte die Matratze sein.


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Was tun Sie, wenn Sie nicht einschlafen können und Ihnen zu viele Gedanken durch den Kopf gehen?

Mein Mittel gegen Schlafstörungen ist eine TV-Natur-Sendung oder Talkrunde. Generell muss das aber jeder für sich selber herausfinden. Hilfreich kann zum Beispiel auch ein Abendspaziergang an der frischen Luft sein oder auch das Aufschreiben einer To-Do-Liste für den nächsten Tag. Wiederum anderen helfen Radio, TV, ein Buch oder bestimmte Entspannungstechniken zum Einschlafen.

Angenommen eine anstrengende Woche mit zwei Geschäftsreisen steht an: Kann man am Wochenende vor- oder nachschlafen, um dann mit weniger Schlaf auszukommen?

Unbedingt. Wir sollten am Ende einer Woche mindestens 50 Stunden Schlaf auf unserem Schlafkonto haben. Die Stunden müssen sich nicht unbedingt gleichmäßig verteilen. Unter der Woche sollten es aber (mindestens) sechs Stunden sein und am Wochenende dann entsprechend mehr – je nach Schlafdefizit.


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Der Wecker klingelt und die Snooze-Taste wird wieder und wieder gedrückt. Wie werde ich morgens schneller wach und fit?

Nach 6-9 Stunden sollte man annähernd erholt aufwachen können. Am besten hilft helles Licht oder Sonnenlicht. Also: Aufstehen, Vorhänge auf und fit in den Tag starten!

Gesunder Schlaf statt Schlafstoerungen

Auf Geschäftsreise fällt es oft schwer, nachts auf sechs bis neun Stunden Schlaf zu kommen. Hilft dann ein kleines Nickerchen vor dem Geschäftsessen oder ein Power-Nap in der Bahn oder im Flugzeug?

Wenn man in der Nacht weniger als sieben Stunden schläft, dann kann man den Schlaf tagsüber oder unterwegs nachholen. Ein Power-Nap dauert idealerweise nicht weniger als 5 Minuten und nicht mehr als 30 Minuten und wird meist im Sitzen getätigt. Wer sich lieber im Liegen ausruht, sollte sich nach rund 30 Minuten einen Wecker stellen.

Was für einen Stellenwert hat gesunder Schlaf in unserer heutigen, arbeitenden Gesellschaft? Hat der Wandel von „Schlafen kann ich, wenn ich tot bin“ zu „Schlaf als neues Statussymbol“ schon stattgefunden?

Nur schwerlich. Es ist immer noch sexy, zu sagen „Ich brauche nur wenige Stunden Schlaf“, anstatt „Ich gönne mir jede Nacht sieben bis acht Stunden guten Schlaf“. Auch der Power-Nap wird meist heimlich getätigt und zum Beispiel am Arbeitsplatz in den meisten Unternehmen noch nicht als selbstverständlich akzeptiert. Eine solche Zukunft wäre jedoch für den gesunden Schlaf erstrebenswert.

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