Nicht anerkannte Staaten

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Warst du schon einmal in einem Land, das offiziell gar nicht existiert? Nein? Die gibt’s! Und es gibt dort einiges zu entdecken… Was das ist, darüber, berichtet der Reiseblogger Johannes Klaus. Der Mannheimer reiste ein Jahr lang um die Welt und schrieb darüber in seinem Reiseblog Reisedepesche.de.

Dafür wurde der Fotograf und Grafikdesigner im Jahr 2011 mit dem Grimme Online Award, dem wichtigsten deutschen Online-Preise, in der Kategorie „Kultur und Unterhaltung“ ausgezeichnet. Für den HRS Reiseblog hat Johannes einen Bericht über „Nicht anerkannte Staaten“ geschrieben. Viel Spaß beim Lesen!

Auf keiner offiziellen Karte

Bergkarabach, Nord-Zypern, Somaliland und einige mehr: Überall auf dem Globus gibt es Staaten, die man auf keiner offiziellen Karte findet. Sie haben autonome Regierungen, Polizei und Militär, manchmal sogar eine eigene Währung. Was ihnen aber fehlt, ist die Anerkennung durch die Staatengemeinschaft. Naturgemäß bilden solche Länder eher ein Ziel für den abenteuerlich orientierten Reisenden. Wer aber den – oft etwas beschwerlichen, und manchmal auch gefährlichen – Weg dorthin zurücklegt, wird belohnt: Mit Menschen, die sich über jeden Gast freuen und stolz ihre Heimat zeigen. Mit Sehenswürdigkeiten, die man ungestört erkunden kann. Und einer gehörigen Portion aktueller Politik, über die man in den Nachrichten nur selten etwas hört…

Nord-Zypern

Zypern wird von der „Green Line“ geteilt – einem mehrere Kilometer breiten Streifen Niemandsland. Doch hat man erst einmal die martialisch anmutende Grenze in den türkisch geprägten Nordteil Zyperns überquert, lässt die entspannte Atmosphäre den Reisenden schnell wieder aufatmen. Und es gibt so viel zu sehen! Schon die geteilte Hauptstadt Nikosia ist geschichtsträchtig: Die Selimiye-Moschee war, als hier im Mittelalter die Könige Zyperns gekrönt wurden, noch eine gotische Kirche – 1571 wurde sie von den Osmanen umgewandelt. Doch es gibt noch weit mehr zu entdecken als die Inselmetropole: An der Ostküste, nicht weit von der eindrucksvollen Altstadt von Famagusta, findet man die Ausgrabungen des antiken Salamis. Es ist ein besonderes Erlebnis durch die prachtvollen Säulengänge der einst größten und reichsten Stadt Zyperns zu schlendern – oft ganz allein, Seeblick inklusive. Ob man im Gassengewirr von Girne verloren geht, von Bergdorf zu Berdorf wandert oder auf der Karpaz-Halbinsel menschenleere Strände genießt – es lohnt sich, diesen wohl zugänglichsten der nicht-anerkannten Staaten zu besuchen.

Bergkarabach

Reist man in den von Armenien unterstützten Mini-Staat Bergkarabach, dessen Land völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört, sind die Spannungen allgegenwärtig. So vertrackt ist die Lage im Kleinen Kaukasus, dass eine Lösung des Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan schwer vorstellbar ist.  Aber Besucher werden herzlich willkommen geheißen: Eine wachsende Zahl an Wanderwegen erschließen mehr und mehr das grüne Bergland. Uralte orthodoxe Klöster wollen erkundet werden, und das allabendliche Flanieren von Jung und Alt in der kleinen Hauptstadt Stepanakert ist ein charmantes Schauspiel… Das Auswärtige Amt rät momentan von Reisen in die Region Bergkarabach ab. Doch wenn sich die Sicherheitslage stabilisiert, lohnt sich ein Abstecher von Armenien unbedingt!

Somaliland

Okay, zugegeben: Hier wird es wohl noch eine ganze Weile dauern, bis man bedenkenlos eine Sightseeing-Tour buchen kann. Im Gegensatz zum offiziellen Staat Somalia hat das frühere britische Protektorat eine vergleichsweise stabile Ordnung aufbauen können. Und es beherbergt einen der sensationellsten neolithischen Funde der letzten Jahre: Las Geel. Die 5.000 bis 6.000 Jahre alten Höhlenmalereien liegen nicht allzu weit von der Hauptstadt Hargeysa entfernt. Sie wurden erst 2002 entdeckt und sind von außergewöhnlicher Schönheit. Zieht es den Reisenden ans Meer bietet die Hafenstadt Berbera verfallenden  kolonialen Flair und schöne Strände. Einige halbgesunkene Schiffe in der Bucht lassen auch dies zu einem unvergesslichen Erlebnis werden… Momentan sind Reisen nach Somaliland allerdings nicht anzuraten, das Auswärtige Amt warnt.

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3 Kommentare

  1. Möchte an dieser Stelle gern auf das uns geographisch am nächsten gelegene „Separatistengebiet“ hinweisen: Transnistrien (Transdnestrien, Pridnestrovie), von der offiziellen Diplomatie zur Republik Moldau (Moldova, Moldawien) gerechnet. War im letzten Jahr mehrmals dort, hat mir viel Spaß gemacht.

    • Hi Johannes! Mehrere Reisen wert, aber nicht für jeden. Ich gehöre zu den Entdeckernaturen, die manchmal den Weg zum Ziel machen und großen Touristenströmen gern ausweichen. Transnistrien hinterleß 2012 einen wesentlich harmloseren Eindruck als bei meinen Reisen zuvor, für den „normalen“ Moldau-Besucher würde ich einen Tagesauflug per Bahn empfehlen.

Christina
Christina ist die HRS Expertin für berufliches Reisen. Sie kennt stets die neusten Businesshotels und Restaurants, hat immer die besten Travel Hacks parat und weiß, wie man auf dem Businesstrip am effektivsten seine knappe Freizeit nutzt. Christinas Lieblingshotels sind das Hotel Zoo Berlin, das QVEST in Köln, das Boutique-Hotel Constanza in Barcelona und das Design-Hotel Ekies all senses in der griechischen Region Chalkidiki. Was ihrer Meinung nach bei keiner Reise fehlen darf? Am Abend ein schönes Steak im Hotelrestaurant und ein Moscow Mule an der Hotelbar.