Gläserner Mensch & Co. – 5 Überraschungen im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden

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Kennen Sie das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden? Die schöne Stadt an der Elbe hat an Kultur, Architektur, Festivals und Landschaft viel Schönes zu bieten. Unser Tipp: Nehmen Sie sich die Zeit und entdecken Sie eines der außergewöhnlichsten Museen Deutschlands. Der Name klingt erstmal seltsam, dahinter verbirgt sich jedoch ein sehr sehenswertes Haus mit langer Tradition.

Lassen Sie sich überraschen – mit 5 Fakten, die Sie sicher noch nicht kannten:

Das Deutsche Hygiene-Museum: anschauliche Infos seit 1912

Das Museum ist eine Dresdner Institution – seit 1912 ist der populäre Ausstellungs- und Veranstaltungsort ein Treffpunkt für Forschung und Öffentlichkeit gleichermaßen. Ursprünglich zur Verbesserung der Gesundheit und Hygiene durch Unterrichtung und Information der regionalen Bevölkerung gedacht, wurde das Museum bald Vorbild für ähnliche Einrichtungen in ganz Europa. Bis heute ist die historische Sammlungen von Objekten seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine der umfassendsten weltweit. Zugleich positioniert sich das Haus nun über einhundert Jahre später als moderne Ausstellungsstätte, deren Sonderausstellungen Fragen aus Kultur, Kunst, Gesellschaft und Wissenschaft in allen möglichen Ausdrucksformen untersuchen.

International bekanntestes Ausstellungsstück und Attraktion mit der größten Anziehungskraft ist zweifelsfrei der so genannte Gläserne Mensch. Seit 1930 lassen sich an diesem lebensgroßen Exponat Anatomie und Funktionsweise des menschlichen Körpers quasi durchs Schaufenster betrachten – eine absolute Innovation und unter Zeitgenossen auch ein großer Aufreger. Seit 1935 ist dem männlichen Modell auch eine Gläserne Frau zur Seite gestellt.

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Das Gebäude des Deutschen Hygiene-Museums ist imposant und birgt jede Menge Schätze in sich. (Foto: David Brandt)

TOP 5 überraschende Erkenntnisse – hätten Sie’s gewusst?

Allein für diesen gläsernen Eindruck sollten Sie im Deutschen Hygiene Museum vorbeisehen. Das Schöne ist jedoch, dass das Haus so viel mehr zu bieten hat – und dabei ganz unerwartete Bereiche erleuchtet.

1. Das Museum hätte auch Odol-Museum heißen können!

Das Haus entspringt der Privatinitiative des Dresdner Unternehmers Karl August Lingner, welcher 1892 das Mundwasser Odol auf den deutschen Markt brachte. Die bis heute erfolgreiche Marke passt hervorragend zum Ziel Lingners, das Museum als „Volksbildungsstätte für Gesundheitspflege“ zu betreiben und so zur Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung beizutragen. So war die Marke auch eine der ersten, die für Hygieneprodukte offensiv Marketing betrieb. Viele historische Beispiele dazu können Sie sich heute im Deutschen Hygiene-Museum anschauen.

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Der Gründer Karl August Lingner wollte vor allem das gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung stärken. (Foto: Deutsches Hygiene-Museum)
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Lingner gründete die Marke Odol, deren Werbung durch die Jahrzehnte ebenfalls ausgestellt wird. (Foto: Deutsches Hygiene-Museum)

2. Größer ist manchmal besser!

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In der Kinderausstellung erforschen Sie den menschlichen Körper aus Minimal-Perspektive. Ein großer Spaß! ( Foto: David Brandt)

Manchmal ist Größe alles: Der besondere Clou der gläsernen Menschen besteht darin, dass man sich den Aufbau des menschlichen Körpers in Lebensgröße ansehen kann. Doch wenn ihr euch in die gesonderte Kinderausstellung begebt, werden Sie so manches Körperteil als übergroßes Modell erforschen können – sozusagen im Land der Körperriesen. Das macht viel Spaß und führt einemansonsten unerforschte Miniorgane ganz groß vor Augen. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass wir ganz feine Haare in den Ohren haben, um hören zu können?

3. Essen kann Kunst sein…

Im Museum gibt es eine ganze Abteilung zum Thema Essen und Trinken. Dabei geht es zum einen um Verdauungsvorgänge und ähnlichen körperbezogenen Themen. Doch das überraschende sind die zahlreichen Foto- und Kunstprojekte, welche in diesen Themenbereich eingebunden sind. Tolle zeitgenössische Bilderserien inszenieren Lebensmittel und ihren Konsum, historische Fotosammlungen zeigen kulinarisches Lokalkolorit und Veranstaltungen zwischen Kunst und Wissenschaft laden ein zur künstlerischen Auseinandersetzung mit dem, was uns jeden Tag begegnet – unser Essen.

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Der Ausstellungsraum „Essen und Trinken“ bietet faszinierende Einblicke in alltägliche Gewohnheiten. (Foto: Oliver Killig)

4. … und Regionalkultur!

In Dresden kann man hervorragend essen! Sachsen hat eine lange kulinarische Tradition und das Museum zeigt auf, wie sehr Regionalkultur in Deutschland auch Essenskultur ist. Der Dresdner Stollen, die Frankfurter Grüne Soße und Hamburger Aalsuppe stiften lokale Identität – merkt man zum Beispiel, wenn man als Berliner in München „eine Schrippe“ beim Bäcker kaufen will. Oder einem im Urlaub in Italien plötzlich deutsches Brot fehlt. Diese regionalen und nationalen Verankerungen zeigt die Ausstellung sehr unterhaltsam auf.

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Die Leuchtreklame der Goldbroiler-Gaststätte Dresden-Blasewitz (um 1970, Design Karl Junghans/ Dresden) ist für ältere Dresdner ein bekannter Anblick. (Foto: David Brandt)
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Bild „Dresdner Stollen“ aus der Fotoserie „Kulinarisches Erbe“ von Fotoserie von Jacqueline Merz, 2004. Die Dresdner Künstlerin hat in dieser Fotoserie regionale Spezialitäten aus den deutschen Bundesländern dokumentiert. Zunächst erscheinen sie inszeniert wie auf altmeisterlichen Stilleben – doch mit ironischem Blick, den die Künstlerin auf das „kulinarische Erbe“ wirft.

5. Die Gläserne Frau ist eine echte  Show-Lady!

Im Gegensatz zu ihrem männlichen Kollegen war die erste im Museum produzierte Gläserne Frau gleich eine absolute Vielreisende. Vom amerikanischen Textilunternehmer Champ aus Michigan gestiftet, wurde sie 1936 im Museum of Science in New York dem amerikanischen Publikum präsentiert, bevor sie jahrelang auf Tournee durch die Vereinigten Staaten ging. Bis 1988 blieb sie in der Fremde, zuletzt im Science Center in St. Louis, bis sie als Schenkung schließlich an das Deutsche Historische Museum in Berlin ging. Nun ist sie nach ihrer Show-Karriere als Dauerleihgabe an das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden endlich mit ihrem männlichen Pendant vereint.

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Schließlich auch in Dresden angekommen: die Gläserne Frau! (Foto: Werner Lieberknecht)
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Auch andere Exponate bieten Einblicke in den menschlichen Körper, wie diese historischen Torsi aus dem Jahr 1930. (Foto: Herbert Boswank)

Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden ist überraschend modern und bietet Ihnen zeitgenössische Kunst, Regionalgeschichte und Wissenschaft am Puls der Zeit in einem. Auf geht’s, auf nach Dresden!

INFO

  • Deutsches Hygiene-Museum Dresden, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden, www.dhmd.de
  • Di-So und Feiertage 10:00-18:00, montags geschlossen
  • Eintritt 7 EUR, ermäßigt 3 EUR. Die Eintrittskarte ist immer an zwei aufeinanderfolgenden Öffnungstagen gültig. Kostenlose Audioguides für die Dauerausstellung in 5 Sprachen.

Waren Sie schon einmal im Deutschen Hygiene-Museum? Wie hat es Ihnen gefallen?

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3 Kommentare

  1. Hallo Detlef, danke für dein freundliches Feedback und die Tipps! Wir finden auch, dass noch viel zu wenige Menschen dieses wunderbare Museum kennen. LG, Juliane

  2. Es ist ein ganz besonderes und wunderbares Museum. Seit vielen Jahren bin ich Dauerkartennutzer und freue mich sehr über diesen Artikel. Vielen Menschen von Groß bis Klein konnte ich schon für dieses Museum begeistern. Mittlerweile ist auch ein kleiner Museumsfragebegleiter entstanden (für die Dauerausstellung). Meine Empfehlung: viel Zeit mitnehmen, viel Spannendes und Anregungen zum Mitmachen und Mitdenken und Mitfühlen erwarten jeden. So z.B. die Verwandlung in einen 80- jährigen Menschen oder der Mindball (Steuerung eines Balls nur mit deinen „Gedanken“), viele Experimente zu den 5 Sinnen, Koordinationübungen usw. Jedesmal gibt es Neues zu entdecken. Und dann die außerordentlich vielfältigen Veranstaltungen zu aktuellen gesellschaftlichen Themen. Und natürlich buche ich jede Reise nach Dresden (mindestens 3mal im Jahr) über HRS. Auch da weiß ich: hohe Qualität und perfekter Service!

    • Hallo Detlef, danke für dein freundliches Feedback und die Tipps! Wir finden auch, dass noch viel zu wenige Menschen dieses wunderbare Museum kennen. LG, Juliane

Juliane
Juliane kennt sich bestens im Bereich Geschäftsreisen aus und ist eine Expertin, was die Abläufe hinter den Kulissen von Hotels betrifft. Sie liebt es, auch auf Businesstrips kleine Sporteinheiten einzuplanen, kennt sich als gebürtige Berlinerin in der Kulturszene der großen deutschen Metropolen bestens aus und hat ein besonderes Faible für neu eröffnete Hotels und herausragenden Service. Julianes Lieblingshotels sind das Gewandhaus Dresden Autograph Collections und das moderne Grimm's Hotel am Potsdamer Platz in Berlin!