Es gibt wenige Länder, bei denen der Unterschied zwischen physischer und psychischer Distanz größer ist als in Bezug auf China. Nicht nur verwendet man keine Buchstaben sondern Zeichen, nein, es schaut alles anders aus.


Die Bevölkerung bewegt sich in Richtung der 1,4 Milliarden Einwohner-Marke und dementsprechend bevölkert sind die Sightseeingspots!

Wie verhält man sich aber als Reisender in China?

Höflich. Man sollte berücksichtigen das man sich als Gast dort aufhält. Diskussionen über Politik, Umweltschutz oder gar Menschenrechte haben hier nichts zu suchen. Auch ist es nicht unbedingt verkehrt, mit einem Lächeln durch die Welt zu gehen. Man befindet sich ja im Urlaub. Chinesen erscheinen teilweise rüde, was man ganz schnell merkt, wenn man versucht in die U-Bahn einzusteigen. Da ist sich jeder selbst der Näheste. Das sollte aber kein Grund sein, laut zu werden. Andere Länder haben andere Sitten und nach ein bis zwei Tagen hat man sich normal aklimatisiert und versucht selbst, die Pool-Position zu erlangen.

Gibt man Trinkgeld?

Die generelle Literatur zum Thema verneint die Frage. Dem kann ich allerdings, aus persönlicher Erfahrung und aus Gesprächen mit Freunden die im Service arbeiten, nicht zustimmen. Es wird in der Regel nicht vorkommen, dass ein Tourguide einem ein etwaiges Trinkgeld zwei Kilometer hinterher tragen wird, da man ihm oder ihr das Gesicht genommen hat. Das Gesicht nimmt man höchstens, indem man einen zu kleinen Betrag gibt. In einem gehobenen Hotel dürfen es gerne mal 50 oder mehr Renminbi sein, wenn man mit dem Service zufrieden war. Das verstehe ich persönlich unter Wertschätzung.

Auch wenn man in solchen Lokalitäten eine Service-Charge auf der Rechnung findet. Diese kommt nämlich NICHT den Mitarbeitern direkt zu Gute! Also: In „normalen“ Restaurants gibt man normal kein Trinkgeld. Im Taxi runde ich meistens auf die nächste volle Stelle auf. Wenn ich 17 RMB bezahlen müsste, gebe ich 20 RMB und lasse mir das Restgeld nicht zurückgeben. Gut, ich spreche relativ fließendes Chinesisch, was es einfacher macht, und wenn es eine interessante Fahrt war, ist ein kleines Trinkgeld nicht unbedingt verkehrt.

Es hat sich bislang noch niemand darüber beschwert. In einem teuren Hotel wird sich der Türsteher oder die Dame an der Rezeption über 50 bis 100 RMB nicht beschweren. Drunter sollte man nicht gehen, da es als Almosen angesehen werden wird.

Xian

Was macht man wenn man etwas nicht essen möchte?

Gegessen wird nicht unbedingt alles, was auf den Tisch kommt. Chinesen legen gerne „vor“, was bedeutet, dass man, mit extra Stäbchen, dem Gast das vermeintlich beste Stück serviert. Das ist Höflichkeit und kulturell bedingt.

Was sollte man in China aber vermeiden?

Neben den bereits genannten Dingen sollte man sich tunlichst von Prostitution und Drogen fernhalten. Beides ist zwar verfügbar, aber die Gesetzgebung diesbezüglich ist doch eher restriktiv. Von gesundheitlichen Aspekten mal ganz abgesehen.

Rauchen

Für Raucher ist China das Paradies. Die Preise für Zigaretten fangen bei 50 Cent pro Schachtel an und bewegen sich bis zu zweistelligen Eurobeträgen. Da China ein beziehungsorientiertes Land ist, raucht man gemeinsam. Für Nichtraucher ist es natürlich kein Problem eine angebotene Zigarette höflich abzulehnen. Umgekehrt darf man als Raucher auch gerne mal den Begleitern eine Zigarette anbieten. Nur sollte man dabei nicht unbedingt die günstigsten Sargnägel aus der Tasche ziehen. Wenn man gemeinsam raucht, zündet man zuerst die Zigarette des Nachbarn und dann seine an.

Gleiches gilt übrigens für das Bier beim Abendessen. Man schenkt zuerst den Nachbarn ein und dann sich selbst. Rauchen ist eigentlich überall erlaubt, aber in manchen größeren Städten in Restaurants verboten. Die entsprechenden Schilder sollte man dann auch beachten. In Hong Kong sollte man nur an öffentlichen Aschenbechern rauchen, da es dort signifikante Strafen bei Missachtung geben kann. Mittlerweile hat man dort auch Health-Inspektoren in ziviler Kleidung eingeführt, die einem an Ort und Stelle die jeweilige Strafe abnehmen.

Shoppen

Einkaufen

China ist nicht nur Weltmotor der Globalisierung sondern auch ein Paradies für Schnäppchenjäger. Produkte aus Seide oder aber gefälschte „Markenkleidung“ findet man hier zu extrem günstigen Preisen. Jedoch sollte man obacht geben, damit man a) nicht zu viel bezahlt und nicht b) beim Deutschen Zoll ein böses Erwachen findet! Ohne hier 1/5tel der Weltbevölkerung zu marginalisieren, kann wohl doch die Faustregel genannt werden, dass man als Ausländer immer einen Premiumpreis zahlen wird. Dementsprechend sollte man erst einmal nachfragen, wie viel etwas kostet. Das funktioniert auch ohne Kenntnisse der Chinesischen Sprache recht einfach.

Man zeigt auf etwas, wobei man nicht zu euphorisch agieren sollte, und der Händler wird einen Mondpreis in seinen Taschenrechner eingeben. Diesen nimmt man dann selbst in die Hand und reduziert den Preis auf zehn bis 20 Prozent des originär ausgelobten. Die Reaktion wird nicht nur ein vehementes Kopfschütteln, sondern auch ein reduzierter Preis sein. Irgendwann trifft man sich in der Mitte und wird sich handelseinig. Eine weitere gute Taktik ist es, zuerst einmal beim ersten Stand zu schauen, wo der unterste Preis dessen liegt. Dieser stellt dann die Obergrenze für weitere Verhandlungen bei benachbarten Ständen, außerhalb der Sichtweite des originären Händlers, dar.

Auch mit weglaufen erzielt man in der Regel einen besseren Preis! Warum aber Desinteresse zeigen? Nun, wenn man zu sehr auf ein Objekt fixiert ist, bedeutet dies das man meistens einen noch höheren Preis bezahlen wird als wenn man sich eher gleichgültig zeigt. Nach erfolgreicher Transaktion sollte man kurz, gerade bei 50-RMB-Scheinen, schauen ob diese auch die geforderten Sicherheitsmerkmale vorhalten. Es soll durchaus vorkommen das einem Reisenden nach China ein falscher Fünziger untergejubelt wurde!

Chongqing

Essen

In China isst man bekanntlich mit Stäbchen. Ich sehe es als unnötig an, extra Stäbchen mitzunehmen, aber die Entscheidung muss jeder selbst treffen. Es ist aber durchaus empfehlenswert noch auf heimischen Boden zu „trainieren“. Klappt es dennoch nicht, wird man, gerade in besseren Restaurants, schnell eine Gabel oder zumindest einen Löffel bekommen.

Mit den Fingern zu Essen ist also in der Regel nicht nötig. Mag man eine Speise nicht, lässt man diese einfach in der Wanne oder dem Unterteller, der für Speisenreste gedacht ist, liegen. Es ist also nicht nötig, wild mit den Armen zu gestikulieren und dabei No! No! zu rufen. Chinesen wissen durchaus, dass die Geschmäcker verschieden sind.

Bedanken

Ein kurzes „Xiexie“, Chinesisch für Danke, tut nicht weh. Schenkt einem jemand nach nimmt man einfach die Fingerkuppen von Mittel- und Zeigefinger und klopft zweimal auf den Tisch. Das kommt aus den Zeiten, als noch der Kaiser in der Verbotenen Stadt residierte. Normal verließ dieser diese nur selten und dann in Gelb gekleidet.

So erkannte ihn aber jeder, weshalb die Verbotene Stadt mit geheimen Tunneln in die „reale Welt“ ausgestattet war. Diese nutzte der Kaiser, zivil gekleidet, um mit seinen Ministern und Leibwächtern zum Beispiel in ein Teehaus zu gehen. Dort schenkte er dann seinen Begleitern Tee ein und diese dankten es mit einem mit den Fingern nachgeahmten Koutao. Der traditionellen Verbeugung.

Shanghai

Kann ich aber jeden Fettnapf umschiffen?

Nein. Dazu reicht wohl ein ganzes Leben in China nicht aus. Chinesen sind in der Regel nicht nachtragend und haben auch Verständnis dafür, dass Besucher aus dem Ausland die ein oder andere Verhaltensregel nicht kennen. Man freut sich aber dennoch, wenn man erkennt, dass jemand nicht nur mit Stäbchen essen kann sondern auch die „Spielregeln“ versucht zu verstehen.

Der Autor

Unser Gastautor Sven lebt seit 2006 primär in der Volksrepublik China. Nach Stationen in Qingdao, Chongqing und Hangzhou ist er seit 2012 mit seiner Chinesischen Verlobten in der Provinz Jiangsu zu Hause. Privat bloggt er ganz gerne unter www.korn.cn über seine Erfahrungen und Eindrücke in China.

Es gibt 1 Kommentar zu diesem Artikel

  1. ich war in China 1999, es war einfach fantastisch, ich hätte nie geglaubt, daß es soviel grün in dieser Riesenstadt gibt, man muß aufpassen, daß man nicht überfahren wird…..schön ist der Nachtmarkt, obwohl man nie so genau weiß, was man ißt, Vorsicht ist geboten bei sogenannten Hallomärkten, sie stehlen und betrügen die Touristen, ein Erlebnis ist es, morgens in den Park zum Tai Chi zu gehen, sich eine echte chin. Massage zu gönnen, ein Traum…….China ist eine Reise wert!

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