Ob in der Kaffeeküche, im Aufzug oder in der Kantine – die Fußball-Weltmeisterschaft ist auch unter Ihren Kollegen in aller Munde? WM-Zeit ist Smalltalk-Zeit und das mag Ihnen gefallen oder auch nicht: drumherum kommen Sie wahrscheinlich nicht. Selbst wer eigentlich keinen blassen Schimmer von Fußball hat und sich eigentlich auch nicht dafür interessiert, kann doch zumindest die Nase des verletzten Sebastian Rudy bemitleiden oder sich über die weiten Reisestrecken im größten Land der Erde beklagen. Werden Sie WM-Besserwisser 2018 und bluffen Sie sich durch den nächsten WM-Smalltalk!

Geht immer beim Smalltalk: das Wetter!

Sengende Hitze, plötzlicher Regen oder gar kühle zehn Grad? Russland ist das größte Land der Welt, daher müssen sich die 32 WM-Teams auch auf fast alles einstellen. Aber gerade das Wetter war auch bei vorherigen Weltmeisterschaften schon ein beliebtes WM-Thema: zu heiß, zu kalt, zu nass, und irgendwie halt nie wie zu Hause:

  • Gleich bei der ersten WM 1930 in Uruguay wurde es unangenehm: Im Auftaktspiel Frankreich-Mexiko erzielte der französische Peugeot-Automechaniker Lucien Laurent das allererste WM-Tor der Fußballgeschichte bei Schneeregen. 13. Juli – das bedeutete auf der südlichen Halbkugel Winter. Doch daran hatte vorher in Europa kaum jemand gedacht. Vielleicht pfiff der Schiedsrichter deswegen das Spiel zu früh ab – die Spieler mussten nochmal raus aus den Kabinen und dann die vollen 90 Minuten zu Ende spielen.
  • Kalt war es auch 1958 in Schweden und nicht alle Nationen waren darauf eingestellt. Superstar Pelé war es in Schweden viel zu kalt: unter Tränen verkündete der erst 17-Jährige angeblich gegenüber seinem Trainer dass er weder spielen noch trainieren wolle, sondern nur noch nach Hause. Trainer Vincente Italo Feola konnte ihn trösten und überreden zu bleiben. Gut so, denn Brasilien gewann im kalten Schweden seinen ersten Weltmeistertitel.
  • Gewonnen haben die Deutschen 1954 übrigens auch wegen des schlechten Wetters: der Finaltag war ein verregneter Sommertag. Die deutsche Mannschaft mochte dieses Regenwetter, weil sie als einzige Schraubstollen hatte (danke, adidas!) und weil Fritz Walter als Spielführer bei Regen besonders gut spielen konnte. Deswegen spricht man noch heute bei verregneten Fußballspielen von „echtem Fritz-Walter-Wetter“!
  • Die WM 1950 in Brasilien hingegen ist den Teilnehmern vor allem durch die andauernde große Hitze in Erinnerung geblieben, völlig ungewohnt gerade für die europäischen Teams. Die Engländer hatten daher versucht, sich auf die Wärme vorzubereiten. Sie trainierten in einem ehemaligen Flugzeug-Hangar, in den heiße Luft gepumpt wurde. Zusätzlich mussten die Spieler dabei langärmlige Pullover tragen. Das Ergebnis des harten Trainings: Vorrunden-Aus.
  • Neben der Hitze hatten die Teilnehmer der WM 1970 in Mexiko vor allem Angst vor der ungewohnten Höhe von teils mehr als 2.200 Metern. Die Bilder von zusammenbrechenden Läufern in Mexikos Höhenluft bei den Olympischen Spielen 1968 waren nocht nicht vergessen.  Zudem wurden im Betonkessel des Stadions von León regelmäßig mehr als 50 Grad Celsius gemessen. Es schlug die Stunde des professionellen Höhentrainings: die Sowjets und Bulgaren fingen schon ein halbes Jahr vor Turnierbeginn mit Höhengewöhnung an. In Bulgarien wurde sogar die Meisterschaft für drei Monate unterbrochen, damit die Nationalspieler Ende 1969 auf Südamerikareise gehen konnten. Vor Ort mussten die Spieler im Hotel dann täglich an die Sauerstoffflaschen. Hat alles nichts genützt: Bulgarien schied nach der Vorrunde aus, die Sowjetunion verlor ihr Viertelfinale.

WM-Smalltalk: das Turnier

  • Seit wann eigentlich? Gäbe es die Fußball-Weltmeisterschaft nicht, man müßte sie erfinden!  Die erste WM 1930 wäre allerdings beinahe ausgefallen, denn kein Verband wollte sie ausrichten.  Deutschland, dem die Fifa gern die Ausrichtung übertragen hätte, hielt am Amateurprinzip fest und bestand darauf, keine WM mit Profis auszurichten. Österreich lehnte mangels geeigneter Spielstätte ab. Von den sechs verbleibenden Kandidaten sprangen die Niederlande und Schweden ab, weil der Ausrichter Reise und Unterkunft aller Teilnehmer übernehmen sollte. Zu teuer! Buchstäblich in letzter Minute erklärte sich Uruguay bereit – das Land feierte 1930 sein 100-jähriges Bestehen, das passte! Einen Ausrichter gab es nun. Doch wer wollte in Uruguay spielen? Mit Italien, Österreich, Spanien, Ungarn und der Tschechoslowakei sagten alle damaligen großen Fußballnationen ab. Die Briten waren gesperrt, den Skandinaviern war der Weg zu weit, ebenso den Deutschen, Schweizern, Niederländern. Schließlich gab es doch noch vier europäische Teilnehmer: Frankreich, Jugoslawien, Rumänien und Belgien. Von den insgesamt 13 teilnehmenden Nationen musste sich keine qualifizieren: wer mitmachen wollte, konnte kommen. Das Finale entschieden die Gastgeber gegen Argentinien 4:2 für sich.
  • Beleidigte Leberwurst: Kurios: Uruguay trat dann als Titelverteidiger 1934 in Italien und später 1938 in Frankreich erst gar nicht an. Der Weltmeister war beleidigt, dass bei der WM vier Jahre zuvor so viele europäische Länder abgesagt hatten.
  • Längste Anreise: Während die meisten Teams heute unkompliziert mit dem Flugzeug zur WM-Endrunde reisen, war die Anreise für die Europäer 1930 recht abenteuerlich. Eine zweiwöchige Schiffsreise an an Bord des Luxus-Dampfer Conte Verde brachte drei der vier europäischen Teams nach Montevideo. Das war kein Charter-Boot, sondern eine reguläre Kreuzfahrt über 2.000 Passagieren, exzellentem Essen sowie Tanzabenden, Kino und ausschweifenden Partys zur Unterhaltung. Da man die anderen Gäste nicht stören wollte, wurde zudem sehr wenig trainiert. Dem jugoslawischen Team, welches auf einem anderen Schiff anreiste, ging es nicht anders: Sie trainierten kaum, schlemmten ausgiebig und etliche Spieler legten einige Pfunde zu. In Uruguay sprach man dann von den „dicken Jugoslawen“, die aber immerhin das Halbfinale erreichten.
  • Wachsender Dauerbrenner: 1942 und 1946 fiel das Turnier wegen des Zweiten Weltkriegs aus, ansonsten wird die WM seit 1930 alle 4 Jahre ausgetragen. Dabei hat die Zahl der teilnehmenden Mannschaften stetig zugenommen. Startete man 1930 mit 13 Teams, spielt man seit 1998 mit 32 Teilnehmern und ab 2026 dann mit der Rekordzahl von 48 Mannschaften.

WM-Smalltalk: die Teams

  • Zum ersten Mal dabei: 2018 erstmals bei einer Fußball-Weltmeisterschaft dabei sind die Teams aus Island und aus Panama. Entsprechend groß ist der Stolz: Auch wenn England beim Spiel am 24.06. kurzen Prozess mit dem Team aus Panama machte (Endstand 6:1), jubelten die Mittelamerikaner am Ende doch wie Sieger über ihr allererstesTor bei einer Weltmeisterschaft. Felipe Baloy grätschte eine Freistoßflanke ins englische Tor und macht sich damit zum Nationalhelden. Auch Island konnte als Neuling bereits sein erstes Tor verbuchen: Alfred Finnbogason konnte mit dem ersten WM-Tor seines Landes Geschichte schreiben. Schön!
  • 2018 nicht dabei: Nicht qualifiziert haben sich bekanntlich die beiden Fußball-Nationen Italien und Niederlande. Die Oranjes hatten bereits die EM 2016 verpasst, obwohl sie bei der WM 2014 noch Dritter wurden. Bislang waren Sie von 21 Weltmeisterschaften nur zehnmal dabei, davon dreimal im Finale. Ein Weltmeister-Titel sprang dabei jedoch bislang nicht heraus. Dafür der eine oder andere Witz: Bei der WM-Auslosungs-Gala in Leipzig für das Turnier 2006 trat der holländische Zauberkünstler Hans Klok auf.  Er nutze den WM-Pokal für ein paar Zauberstückchen auf der Bühne und bis heute wird er in seiner Heimat betitelt als der einzige Niederländer, der je die Hand am WM-Pokal haben wird. Das stimmt bis heute. Und auch noch mindestens bis 2020. Härter traf die verpasste Qualifikation die Italiener: seit 1962 waren sie durchgehend dabei gewesen und immerhin haben sie (wie Deutschland) vier Weltmeister-Titel zu verbuchen. Somit steht nur Deutschland die Chance offen, den fünften Stern am Trikot zu sichern und mit Brasilien gleichzuziehen!
  • Jedes Mal dabei: Brasilien! Der fünffache Rekord-Weltmeister hat bisher als einzige Nationalmannschaft an jeder Weltmeisterschaftsendrunde teilgenommen und ist auch die einzige Mannschaft, die einen WM-Titel auf drei von vier Kontinenten, auf denen WM-Turniere ausgetragen wurden, gewinnen konnte. 2018 war Brasilien dann auch gewohnt strebsam und als erstes nach Gastgeber Russland qualifiziert.
  • Einmalige Angelegenheit: Nicht in jeder WM wurde wie 2018 mit einer Gruppenphase gespielt:1938 beispielsweise ging es direkt mit K.O.-Spielen los. Niederländisch-Ostindien, das heutige Indonesien, hatte sich damals zum ersten und bislang letzten Mal qualifiziert. Das Land verlor sein erstes Spiel gegen Ungarn – und damit war das Turnier für die Asiaten beendet. Somit ist Niederländisch-Ostindien bis heute der einzige WM-Teilnehmer, der nur ein einziges ein WM-Spiel bestritten hat.
  • Ungeschlagen ausgeschieden: Nicht verlieren reicht leider nicht immer zum Weiterkommen. Ungeschlagen und mit drei Punkten aus dreimal Unentschieden im Gepäck verabschiedete sich bei der WM 2010 nach der Gruppenphase die neuseeländische Nationalmannschaft nach Hause. Dieses Schicksal ereilte neben Neuseeland zuvor nur 1974 Schottland und Kamerun 1982. Kommt also selten vor, aber ist möglich.

WM-Smalltalk: die Spieler

  • Älteste Spieler: Erst bei der laufenden WM 2018 wurde dieser Rekord eingestellt!  Ägyptens Torwart Essam El Hadary ist mit stolzen 45 Jahren der älteste WM-Teilnehmer aller Zeiten. Er ist nach 25 Jahren im Profifußball das erste Mal bei einer WM dabei. Schön für ihn!
  • Jüngster Spieler: Es gab im Laufe der WM mehrere 17-jährige Spieler, darunter auch den jüngsten Weltmeister aller Zeiten: Pelé. Der Jüngste der Jungen war allerdings der Nordire Norman Whiteside, der bei der WM 1982 im zarten Alter von 17 Jahren und 41 Tagen auf dem Platz stand. 2018 stammt der jüngste Spieler aus Australien: Daniel Arzani ist gerade mal 19.
  • Es bleibt in der Familie: Manchmal gibt es so viel Fußball-Talent in einer Familie, dass es für mehrere WM-Teilnehmer reicht. Dänemarks Torwart-Legende Peter Schmeichel stand bei der WM 1998 in Frankreich im dänischen Tor und brachte es bis ins Viertelfinale. Genau zwanzig Jahre später ist es 2018 nun sein Sohn Kasper Schmeichel, der als Nationaltorwart mit Dänemark auf Punktejagd ging. Interessant auch die Boatengs, wo ein Bruder, Jérôme, bei der WM für Deutschland spielte (2010, 2014, 2018), während sein älterer Bruder Kevin-Prince für die Nationalmannschaft Ghanas im Einsatz war (2010,2014). 2010 und 2014 spielten die Brüder dann auch mit ihren jeweiligen Teams gegeneinander – das erste Duell zweier Brüder bei einer Fußball-Weltmeisterschaft.
  • Ausdauer für 5: Drei Spieler waren bislang bei jeweils 5 Turnieren dabei, darunter auch ein Deutscher! Der Mexikaner Antonio Carbajal (1950, 1954, 1958, 1962, 1966) sowie Lothar Matthäus (1982, 1986, 1990, 1994, 1998) standen dabei auch fünfmal auf dem Platz. Gianluigi Buffon war ebenfalls fünfmal dabei, kam aber nur bei vier der Turniere auch zum Einsatz. 2018 hätte die sechste WM für Buffon sein können, aber es hat ja nicht sollen sein für die Italiener…
  • Schnell auf 180: 1986 hatte es  José Batista aus Uruguay im Spiel gegen Schottland besonders eilig, wieder in die Kabine zu kommen. Nach nur 52 Sekunden erhielt er wegen schweren Foulspiels die rote Karte. Das war der bislang schnellste Platzverweis bei einer WM. Allerdings nur, was die WM-Endrunde angeht. Die früheste rote Karte, die je bei einem WM-Qualifikationsspiel gezückt wurde, sah ein Spieler namens Rashed Al Hooti aus dem Bahrain. 2011 trat er mit seinem Team zum Qualifikationsspiel in Teheran an. Nach 34 Sekunden senste er seinen iranischen Gegenspieler so schwer um, dass der Schiedsrichter augenblicklich zur roten Karte griff. Der Bahrainer verlor völlig die Fassung als er begriff, welchen Bärendienst er seinem Team da erbracht hatte. Zwei Ersatzspieler mussten ihn in die Kabine geleiten, während Al Hooti in Tränen ausbrach.
  • Verletzter Pechvogel: Es gibt gute Gründe für einen verletzungsbedingten Ausfall. Und es gibt einfach Pech: Dem spanischen Nationaltorwart Santiago Cañizares vermasselte 2002 eine Flasche Aftershave die Teilnahme an der WM. Ihm fiel im Bad die Flasche hinunter und aus Reflex versuchte Cañizares,  sie mit dem Fuß aufzufangen. Eigentlich gute Reflexe für einen Torwart, aber die Flasche zersplitterte und eine Scherbe durchtrennte eine Sehne im Fuß des Spaniers. Die WM war für ihn vorbei bevor sie begann.
  • Redseelig: Interviews mit Spielern direkt nach Abpfiff sind meist recht langweilig. Sie sind erschöpft, außerdem heutzutage geschult und geben wenig Interessantes preis. Mit etwas Abstand zum Spiel wird’s aber nicht unbedingt besser:  Abwehrspieler Paul Janes gab nach der WM 1934 in Italien ein Interview, das inzwischen Kultstaus hat:  „Herr Janes, Sie waren mit der Nationalelf in Italien?“ – „Ja.“ – „Sind Sie mit dem Abschneiden zufrieden?“ – „Ja.“ – „Hätten Sie Weltmeister werden können?“ – „Nein.“ – „Der dritte Platz tut es auch?“ – „Ja.“ – „Wie war es in Italien?“ – „Warm.“

WM-Smalltalk: Kurioses & Anekdoten

  •  1938: Politische Herausforderungen

Ein Jahr vor Beginn des Zweiten Weltkrieges bereitete Deutschland der Fifa ordentlich Kopfzerbrechen: Deutschland wurde für die Vorrunde in eine Gruppe mit der Schweiz, Österreich und Schweden gelost. Eine Woche nach der Auslosung verkündete Hitler nach dem Einmarsch in Wien das „Großdeutsche Reich“ und dem Turnier fehlte so plötzlich ein Teilnehmer. Die Fifa beschloss nach dem Ausfall von Österreich, Schweden mit Freilos für die nächste Runde zu qualifizieren und verlegte zudem das Spiel Deutschland-Schweiz ohne Angabe von Gründen von Straßburg nach Paris.

  • 1954: Hotelgeschichten

Vorbereitung ist alles! Dachte sich auch Deutschlands Trainer Sepp Herberger, der nichts dem Zufall überlassen wollte. Er ließ den Finalgegner Ungarn ausspionieren, indem er jeden  Tag einen Kundschafter ins Hotel der Ungarn schickte um sich „umzusehen“. Das eigene Hotel wurde von vornherein so gewählt, dass man während der WM nicht umziehen musste. So entging man der Legende nach auch dem halbstündigen Glockenläuten einer Kirche, das die Ungarn in ihrem Hotel aushalten mussten. Ja, ja, ein gutes Hotel für die Nacht kann viel bewirken…

  • 1958: die WM, die es nicht gab?

1958 wurden erstmals weltweit viele der WM-Spiele im Fernsehen übertragen. Was wann wo gezeigt wurde, legte jedoch nicht Gastgeber Schweden sondern die Fifa fest. Das war dann nicht unproblematisch: So konnte man in Deutschland zwar insgesamt fünf Live-Spiele im Fernsehen verfolgen – jedoch nur im „kleinen Finale“ konnte das deutsche Publikum die eigene Nationalmannschaft sehen. Besonders bitter für die Fans: Während Deutschland im Halbfinale gegen Schweden um den Finaleinzug spielte, wurde das zweite Halbfinale zwischen Brasilien und Frankreich übertragen. Skeptiker halten diese Übertragungen jedoch sowieso für Fake: In Schweden ranken sich seit Jahrzehnten wilde Gerüchte um die Weltmeisterschaft im eigenen Land. Die Verschwörungstheorie der Gruppe „Konspiration58“ behauptet, dass es die WM in der gezeigten Form nie gegeben hätte. Die übertragene Endrunde sei (wie die Mondlandung) inszeniert gewesen als eine Art „Massentest“ über psychologische Auswirkungen des Fernsehens. Wäre dies der Fall, hätte Brasilien übrigens nur 4 Weltmeister-Titel – der erste war ja ein Fake!

  • 1966 : Noch mehr Hotelgeschichten

Brasilien eilte bei der WM 1966 in England ein besonderer Ruf voraus und da ging es nicht nur um fußballerische Qualitäten: Schon 1964 machte sich eine Delegation in England auf die Suche nach einer geeigneten Unterkunft für das brasilianische Team. Ein Gebäude der Universität Liverpool lehnte der Team-Arzt ab, weil man dort die Kontrolle über die jungen Spieler verlieren würde: „Es hat zu viele Ausgänge. Ich kenne unsere Burschen – und die Mädchen von Liverpool.“ Das Lymm-Hotel in Cheshire wurde dann für gut befunden, nachdem probegeschlafen wurde. Auch hier gab es Regeln zum Umgang mit dem anderen Geschlecht und auch in Trainingslagern ließ Trainer Feola nur einmal wöchentlich Damenbesuch zu. Er hatte da seine Überzeugungen: „Mit den Frauen ist es wie mit dem Rauchen. Man kann es nicht verbieten, aber wir versuchen die Spieler davon abzuhalten.“ Brasiliens Star Pelé  hatte erst im Frühling geheiratet und anschließend seine Form verloren. „Das ist ganz natürlich“, so sein Trainer,  „Laßt ihn in Ruhe, wenn Brasilien zum drittenmal Weltmeister werden soll.“ Weltmeister in England wurde dann bekannterweise England und Brasilien holte seinen dritten Titel erst bei der nächsten WM in Mexiko – mit Pelé.

  • 1970 Gewinnen lohnt sich doppelt!

2018 würde bei erfolgreicher Titelverteidigung jeder Spieler der deutschen Nationalmannschaft vom DFB 350.000 Euro Prämie erhalten. (Die ersten deutschen Weltmeister 1954 bekamen zum Vergleich  2.500 Mark sowie einen Fernseher, einen Lederkoffer und einen Motorroller.) In Spanien zeigt man sich traditionell spendabler: 800.000 Euro würde 2018 jeder spanische Spieler für den WM-Titel zusätzlich verbuchen können. Noch großzügiger war 1970 jedoch Brasilien: die Spieler der brasilianischen Nationalmannschaft konnten sich über eine ganz besondere Prämie freuen. Nachdem sie in Mexiko den WM-Titel gewonnen hatten, wurden sie in ihrem Heimatland von der Steuerpflicht befreit… lebenslang!

  • 1986: Hotelgeschichten Teil 3

Marokko war bei der WM 1986 in Mexiko absoluter Außenseiter in seiner Gruppe. Gegen England, Polen und Portugal traute ihnen kaum jemand auch nur ein Unentschieden zu. Doch Marokko überraschte alle: gegen Polen und England sicherte sich das Team in torlosen Spielen jeweils einen Punkt und wurden durch ein 3:1 über Portugal sogar Gruppensieger. Ungeschlagen marschierten sie als erstes afrikanisches Team der WM-Geschichte ins Achtelfinale. Der Sieg gegen Portugal war allerdings schon der zweite Sieg auf mexikanischem Boden: zur Vorbereitung hatten die Marokkaner noch ein Spiel gegen das Personal ihres Hotels ausgetragen und gegen die Kellner, Pagen, Köche und Liftboys 16:0 gewonnen.

Notfall-Floskeln: Was Sie eigentlich immer sagen können!

So viele Geschichten, aber oft brauchen Sie für einen gepflegten WM-Smalltalk nur ein bisschen Halbwissen 😉 Manchmal kann man sich mit Floskeln ganz wunderbar durch ein ganzes Gespräch bluffen. Es gibt Experten-Sprüche, die eigentlich (fast) immer passen – und Ihnen beim WM-Smalltalk oder beim Spiel zustimmendes Nicken einbringen werden.Wenn Sie gar nichts über Fußball wissen oder wissen wollen, diese 15 Sätze sind für Sie:

  1. Man darf den Gegner nie unterschätzen. Kleine Mannschaften gibt es nicht mehr!
  2. Das haben die noch lange nicht gewonnen.
  3. Das Tor hat sich angedeutet!
  4. Deutschland ist halt eine Turniermannschaft!
  5. Wir müssen von Spiel zu Spiel denken.
  6. Die müssen schneller umschalten!
  7. Geld schießt keine Tore.
  8. Mit Gelb ist er noch gut bedient!
  9. Die Tagesform wird entscheidend sein.
  10. Das ist ja auch der absolute Angstgegner!
  11. Wir müssen dahin gehen, wo es weh tut!
  12. Standardsituationen sind immer gefährlich!
  13. Für Schönspielen gibt es keine Punkte!
  14. Ein frühes Tor würde dem Spiel gut tun!
  15. Die müssen viel kompakter stehen!

Jetzt sind Sie gerüstet für den nächsten WM-Smalltalk und das nächste Spiel! Wir wünschen Ihnen viel Spaß Als WM-Besserwisser 2018!

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