Alle zwei Jahre ist es wieder soweit: ein Großteil der Deutschen fiebert mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei EM oder WM bei jedem Spiel und um jedes Tor mit. Dieser Begeisterung wollen Sie auch an Ihrem Arbeitsplatz Ausdruck verleihen und am liebsten gleich im Trikot im Büro erscheinen? Da könnte Ihr Chef bzw. Ihre Chefin ein Wörtchen mitzureden haben. Wir sagen Ihnen, was erlaubt ist und wann Sie auf Fankleidung am Arbeitsplatz verzichten müssen:

Darf der Arbeitgeber überhaupt Kleidungsvorschriften machen?

Müssen Sie überhaupt auf Ihren Chef oder Ihre Chefin hören wenn es um Ihre Arbeitskleidung geht? Oder ist Ihr Boateng-Trikot im Büro nicht sowieso Privatsache? Grundsätzlich hat in Deutschland jeder Arbeitnehmer das Recht, sich seinem persönlichen Geschmack entsprechend zu kleiden, zu schminken, zu frisieren, etc. Allerdings gibt es Ausnahmen, die sich aus dem sogenannten Weisungsrecht des Arbeitgebers begründen (Paragraph 106 der Gewerbeordnung).

Damit kann dieser die Leistung des Arbeitnehmers hinsichtlich des Inhalts, Ortes und Zeit der Arbeit bestimmen. Und: sprechen wichtige Gründe dafür, kann er auch über Ihr Erscheinungsbild bestimmen. Es kommt also zumeist auf die Branche, den Arbeitsort und den konkreten Einsatzbereich an, ob Sie tragen dürfen, was Sie wollen.

Wichtige Gründe, welche gegen freie Kleiderwahl sprechen, können u.a. die Arbeitssicherheit oder ein erwünschtes einheitliches Erscheinungsbild im Kundenkontakt sein. Klar, dass Sie als Feuerwehrfrau oder Krankenpfleger eine spezielle Berufskleidung benötigen – aus Gründen der Sicherheit und Hygiene. Als Empfangsmitarbeiter im Hotel oder im Außendienst ist wiederum der Auftritt gegenüber dem Kunden gewichtiger als ihr persönliches Recht auf individuelle Kleidung. Ist spezielle Dienstkleidung sogar Teil des Arbeitsvertrags, beispielsweise in der Gastronomie, müssen Sie sich ebenfalls daran halten. Ignorieren Sie entsprechende Vereinbarungen, droht im schlimmsten Fall eine Abmahnung oder sogar Kündigung.

Kurz gesagt: Ihr Recht auf individuelle Kleidungswahl endet immer dann, wenn die allgemeine bzw. Ihre eigene Sicherheit oder Geschäftsinteressen Ihres Arbeitgebers gefährdet sind.

Darf ich im Fan-Trikot im Büro erscheinen?

Sollten keiner der oben genannten Gründe gegen Fankleidung am Arbeitsplatz sprechen, können Sie Ihre Begeisterung frei ausleben. Im Zweifelsfall: fragen Sie vorher nach, ob es während der Weltmeisterschaft spezielle Regeln gibt. Bei manchen Arbeitgebern gelten für gemeinsames Public Viewing oder an Spieltagen des deutschen Teams gelockerte Vorschriften.

Ist ein Fan-Outfit an Ihrem Arbeitsplatz kein Problem, gilt außerdem das Gebot der Gleichbehandlung. D.h. der Arbeitgeber dürfte nicht explizit dem spanischen Kollegen das Trikot verbieten während Sie im Outfit der deutschen Nationalmannschaft arbeiten dürfen. Mitarbeiter dürfen nur unterschiedlich behandelt werden, wenn es einen wichtigen Grund dafür gibt. Daher kann es z.B. zwar unterschiedliche Regelungen für Mitarbeiter mit und ohne Kundenkontakt geben. Aber allein aufgrund von persönlicher Sympathie oder ästhetischem Empfinden dürfen keine Unterschiede gemacht werden.

Gibt es einen Dresscode zur WM?

Was erlaubt ist, ist das Eine. Die Frage nach einem stilvollen Auftritt im Berufsleben etwas ganz Anderes.  Wie wollen Sie von Ihren Kollegen und Kolleginnen wahrgenommen werden? Und was ziehen Sie eigentlich zu dem Trikot noch an? Muss es vielleicht gar nicht ein Trikot sein? So kommen Sie modisch mit Würde durch die Weltmeisterschaft:

  • Tragen Sie das Trikot nur im Büro, wenn auch das berufliche Umfeld mitmacht! Klar, Sie können das auch allein eiskalt vier Wochen durchziehen. Aber so kommt kein bestimmt keine Stimmung auf.
  • Kombinieren Sie bitte überlegt und stilsicher! Ein komplettes Sportoutfit ist vielleicht theoretisch erlaubt, aber nicht immer die beste Wahl. Trikot unterm Anzug-Sakko? Bitte nicht. Überlegen Sie, wie Sie ein Polo kombinieren würden, dann sind Sie auf der richtigen, sportlich-eleganten Spur.
  • Denken Sie weiter als schwarz-rot-gold! Müssen es das Heimtrikot und der Fanschal sein? Das blau-grüne Auswärtstrikot eignet sich beispielsweise farblich viel besser zum Kombinieren als der weiß-schwarze Klassiker. Vorteil: Sie gehen nicht im schwarz-rot-goldenen Merchandise-Meer unter.
  • Nutzen Sie Ihren Kleiderschrank! Sie müssen nicht 90 Euro für ein Polyester-Trikot oder 5 für eine Plastik-Blumenkette ausgeben. Das können Sie doch besser: Kombinieren Sie doch, was Sie bereits im Kleiderschrank haben und spielen Sie mit den typischen Trikotfarben in ihrem Outfit. Oder Sie nutzen dezentere Accessoires wie Ohrringe, Haarbänder, Socken oder Pins.

Darf ich meinen Arbeitsplatz im WM-Style dekorieren?

Die Outfit-Frage ist nun geklärt, aber Sie wollen am liebsten auch Ihren Arbeitsplatz weltmeisterlich dekorieren? Spielplan an die Wand, Torwand aufgebaut und Fähnchen auf dem Schreibtisch? Auch hier hat Ihr Arbeitgeber ein Wörtchen mitzureden.

Denn die Gestaltung des Arbeitsumfeldes ist grundsätzlich Sache des Arbeitsgebers. Rechtlich stehen sich wie in der Kleidungsfrage das Weisungsrecht des Arbeitgebers und das Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers gegenüber. Insbesondere wenn es um Arbeitsschutz (inkl.Verhütung von Brandgefahren) oder eine bestimmtes Außenwirkung geht, stehen wichtige Gründe Ihrer Dekorations-Freude im Weg. Arbeitsrechtlich haben Sie keinen Anspruch auf eine private Dekoration Ihres Arbeitsplatzes.  Möchten Sie also WM-Deko nutzen, klären Sie im Vorfeld mit Ihrer Chefin oder Ihrem Chef, wie weit Sie gehen dürfen. Und denken Sie bitte auch daran, keine Fluchtwege zuzustellen oder potentielle Brandherde zu schaffen.

Wichtig ist auch hier, dass die Erlaubnis oder das Verbot durch den Arbeitgeber nicht personenbezogen sein darf, sofern es keinen sachlichen Grund gibt. Erlaubt der/die Vorgesetzte Ihrer Kollegin im gleichen Büro also die Mini-Flagge auf dem Schreibtisch, kann er Ihnen nicht das Aufstellen eines Teamfotos verbieten.

Haben Sie in Ihrer Firma einen Betriebsrat? Dieser hat gemäß Paragraph §§ 90, 91 des Betriebsverfassungsgesetzes das Recht, über die Gestaltung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsumgebung mitzubestimmen. Dann gibt es eventuell bereits eine Betriebsvereinbarungen, was im Unternehmen erlaubt ist und was nicht. Fragen Sie also im Zweifelsfall dort nach.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Kollegen viel Spaß bei der WM – ganz egal ob mit oder ohne Trikot im Büro!

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