Berlin, ick liebe dir: DOs und DON’Ts beim Urlaub in der Hauptstadt

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Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! Und damit Sie dort auch eine tolle Zeit haben, gibt es einige Dinge zu beachten. Mit diesen DOs und DON’Ts erleben Sie die Hauptstadt ganz authentisch. Unsere Tipps für ein echtes Berlin-Erlebnis – von einer echten Berlinerin:

DON’T: Sich nur auf den Reiseführer verlassen

Berlin ist eine wunderbare Stadt, deren Charme zu einem großen Teil ihr steter Wandel ausmacht. Heute entsteht hier ein neues Restaurant, der Pop-Up-Store gegenüber öffnet nur für zwei Wochen und der angesagteste Club der Berliner Musikszene ist morgen vielleicht schon wieder out. Es empfehlen sich daher immer zwei parallele Strategien zur Entdeckung der deutschen Hauptstadt: Zum einen sollten Sie nicht auf die Basics verzichten: Brandenburger Tor und Fernsehturm, Currywurst und Boulette, Museumsinsel und Staatsoper. Alles sehr lohnenswert beim Urlaub in Berlin. Nur: Das gibt’s in Berlin auch in einem, in fünf, in zwanzig Jahren. Daher sollten Sie sich auch einfach mal treiben lassen und das (noch) nicht etablierte Berlin entdecken. Einfach mal schauen, was die Nachbarschaft um das Hotel herum bietet oder wo es Sie hinführt, wenn Sie dem Tipp des Kellners aus dem Straßencafé folgen. Wo sieht es interessant aus? Welches Schaufenster ist verlockend genug, um stöbern zu gehen? Wo riecht es gut, wo klingt Musik? Vertrauen Sie Ihrem Bauch und Ihrer Spürnase, dann erleben Sie die ganze Stadt mit allen Sinnen!

DO: Möglichst viele Bezirke Berlins kennenlernen

Man kann es drehen und wenden wie man will: Berlin ist immer noch geteilt. Nicht unbedingt in Ost und West, sondern in all die kleinen Kieze, die man als Einheimischer eigentlich fast nicht verlassen müsste. Aus der Historie der Stadtgründung und zunehmende Eingemeindung über die Jahrhunderte erklärt sich der dezentrale Charakter der Metropole. Alexanderplatz (Osten), Zoo (Westen) und Potsdamer Platz (Mitte) sind grober Anhaltspunkte für Zentren der Stadt, aber eigentlich hat jeder Stadtbezirk seine eigene, komplette Infrastruktur. Überall können Sie gut shoppen, ausgehen, entspannen, besichtigen, essen und nachts todmüde ins Bett fallen. Berlin ist viele Berlins!

Das Tolle daran: Sie werden garantiert ein Berlin finden, dass Sie inspiriert und glücklich macht. Preußische Kultur und angesagte Läden? Mitte! Studentenkneipen und Volkspark? Friedrichshain! Kinderglück und Bio-Food? Prenzlauer Berg! Multikulti und alternative Musik? Kreuzberg! Schicke Villen und große Marken? Charlottenburg! Das Motto lautet also frei nach Lokalheld Friedrich dem Großen: In Berlin soll und kann jeder nach seiner Façon selig werden!

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DON’T: Auf Berlin schimpfen

Ja, ja, ja, wir wissen Bescheid: der Flughafen, die roten Ampeln, der Länderfinanzausgleich, der Dreck, das Wetter, der Fußball und unfreundliche Einwohner. Sich darüber aufzuregen oder sich gar lustig zu machen ist jedoch unhöflich und unnötig zugleich. Denn: die Berliner wissen selber um die echten oder angeblichen Schwächen ihrer Heimatstadt. Also bitte, verkneifen Sie es sich ganz einfach. Wenn die Stadt wirklich so schlimm wäre, dann wäre sie kaum Reiseziel Nummer 1 in Deutschland, oder? Das sollte eigentlich funktionieren wie bei jedem anderen Besuch: höflich und freundlich verliert man kein böses Wort über das, was man sieht. Man ist schließlich zu Gast.

DO: Sonntags Brunchen gehen

Der Berliner geht am Sonntag brunchen. Punkt. Vielleicht nicht jeden Sonntag und sicherlich nicht vor zehn, aber gefühlt ist die Dichte an Brunch-Hotspots in keiner anderen Stadt so groß wie hier. Stundenlang sitzt man bei Milchkaffee und Orangensaft vor gehäuften Tellern und bringt sich gegenseitig auf den neuesten Stand. Also lassen Sie das Hotelfrühstück ruhig mal ausfallen und begeben sich stattdessen in den Sonntags-Hauptstadt-Modus: lange schlafen, lange brunchen, und danach noch ein bisschen spazieren, um die Kalorien wieder abzulaufen.

Wo man sich der Schlemmerei hingibt ist Geschmackssache – von den kleinsten Cafés mit spezialisierter Küche bis hin zu exklusiven Hotels machen in Berlin fast alle mit. Brunch-Hotspots sind die Bezirke Prenzlauer Berg (z.B. sehr guter russischer Brunch im
Pasternak , Achtung: keine Reservierung!), Mitte (z.B. mit Jazz und riesigem spanischem Brunch im Tauro) und Friedrichshain (direkt mit Blick auf den Flohmarkt am Boxhagener Platz z.B. im Kurhaus Korsakow möglich). Achtung: wo möglich am besten reservieren. Lassen Sie es sich schmecken!

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DON’T: Angebliche Spitznamen für Sehenswürdigkeiten benutzen

Es ist völlig egal, was in Ihrem Reiseführer steht. Kein Berliner nennt den Fernsehturm Telespargel. Das Bundeskanzleramt heißt auch nicht Bundes-Waschmaschine, die Gedächtniskirche nicht Hohler Zahn und die berühmte Kastanienallee im angesagten Prenzlauer Berg ist nicht die Casting-Allee. Nein, einfach nein.

DO: Dem Berliner Dialekt eine Chance geben

Sie mögen das für einen seltsamen Tipp halten, aber geben Sie ihm eine Chance: Berlinerisch ist deswegen so ein toller Dialekt, weil man einzelnen Worte und Wendungen direkt historischen Entwicklungen der Stadt zuordnen kann. So haben beispielsweise die Einwanderungswelle der Hugenotten Ende des 17. Jahrhunderts und die französische Besetzung im 19. Jahrhundert deutliche sprachliche Spuren hinterlassen: Boulette, Fiesematenten, etepetete, Muckefuck und Kinkerlitzchen haben ihren Ursprung im Französischen. Auch das Polnische und das Hebräische haben Einfluss genommen und so ist das, was als regionale Berliner Schnauze bezeichnet wird, eigentlich eine echte Weltsprache.

Als Einheimischer gehen Sie durch, wenn Ihnen dann außerdem die folgenden Begriffe flüssig über die Lippen gehen:

  • Schrippe: ist ein Brötchen, bitte niemals Semmel sagen
  • Berliner: ist ein Einwohner Berlins
  • Pfannkuchen: ist in anderen Gegenden ein Berliner, also was zum Essen vom Bäcker
  • Eierkuchen: ist woanders ein Pfannkuchen, ein in der Pfanne gebackener Teigfladen
  • Boulette: Frikadelle klingt einfach weniger sexy

Probieren Sie es aus, dann stellt sich das Hauptstadtgefühl von fast ganz alleine ein. Zum Abschluss noch ein schönes Gedicht Berliner Mundart. Wenn Sie das aufsagen können, sind Sie perfekt vorbereitet für eine erlebnisreiche Zeit in einer der aufregendsten Städte der Welt:

Ick sitze da und esse Klops. Uff eenmal kloppt’s. Ick sitze, kieke, wundre mir, uff eenmal is se uff de Tür. Nanu denk ick, ick denk nanu! Jetzt is se uff erst war se zu.Und ick jeh raus und kieke. Und wer steht draußen? Icke.

 

Und jetzt besuchen Sie mit diesen DOs und DONT’s die vielleicht nicht schönste, aber sicherlich liebenswerteste Stadt der Welt! Auf nach Berlin!

Welche Berlin DO’s und DONT’s haben wir vergessen? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Tipps!

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10 Kommentare

  1. Endlich mal wirklich kompetente Ratschläge für Berlin. Zwei weitere Do’s empfehle ich noch: Eine Rundfahrt mit der Ringbahn (S-Bahn Linie 41/42) ab einem beliebigen Bahnhof, z. B. Ostkreuz oder Westkreuz; man kommt nach 1 Std. wieder am Startbahnhof an. Und, für Fortgeschrittene: Dampferfahrt von Tegel nach Wannsee (oder umgekehrt, nachmittags), ca. 3 Std., Ausstieg nach halber Strecke in Spandau möglich.

  2. Vielen Dank,
    als alter Berlinfahrer und Ex-Teilzeit-Bewohner finde ich vor allem die Don’t s wichtig.
    Nichts ist peinlicher als wenn jemand ‚fachkundig‘ die angeblichen Spitznamen aus den Reiseführern verwendet.

    Noch ein Tip für jeden Besucher: unbedingt die große Brückenrundfahrt mit dem Schiff machen!
    Das ist m.E eine der interessantesten Rundfahrten in Berlin überhaupt, die 3,5 Stunden gehen wie im Flug vorbei.
    Ich mache sie immer noch gerne ab und zu, obwohl ich die Stadt ganz gut kenne.

  3. Das mit dem Brunch scheint auf jeden Fall zu stimmen – war auf gut Glück dort (keine Lust auf Hotel-Frühstück) und war spitze… auffallend sehr viele sehr trendige Menschen 😉
    Einige auch etwas … hm … unflexibel. So in der Art: Kelner fragt ob der Platz (für mich) noch frei ist … großen Problem … das passt nicht so gut … evtl. muss ich ja mal nacher aufs Klo u.ä. … aber evtl. waren das ja keine richtigen Berliner (oder doch, dann passt es zu oben „unfreundliche Bewohner“ – was ich btw. sonst aber nie so empfunden habe)

  4. Sich einfach mal treiben lassen: ich habe Ende Dezember 2014 mit meiner Familie einmal eine „Schnee-Wanderung“ von der Oberbaumbrücke durch den Görlitzer Park, das Maybachufer und den Urbanhafen entlang bis zum „Curry 36“ gemacht. Zwischendurch aufwärmen beim Tee im türkischen Cafe in Kreuzberg. Tolle neue Eindrücke abseits der Touristenpfade! Oder ein paar Jahre vorher im Sommer Wanderung durch die Müggelberge und Schwimmen im Müggelsee bei Friedrichshagen. Wir waren schon oft in Berlin, aber es gibt noch so vieles zu entdeken!

    • Hallo Markus, das klingt super, eine tolle Wanderung durch halb Kreuzberg habt ihr da gemacht! Es stimmt, einfach mal abseits der Touristenpfade wandeln lässt einen die Stadt ganz anders entdecken. Viel Spaß bei euren nächsten Berlin-Entdeckungen! LG, Juliane

  5. Als absolutes Don’t fällt mir noch ein: Auf der Rolltreppe auch links stehen. Die Regel „Rechts stehen, links gehen“ sollte in keinem Berlin-Reiseführer fehlen. Und bitte nicht direkt hinter der (Roll-)Treppe stehen bleiben und den nachfolgenden Verkehr aufhalten. Die Berliner Bewohner werden es danken und müssen nicht schnoddrig werden. 😉

    Noch ein Don’t (auch wenn es viele Berliner machen): Keine Döner oder Asia-Boxen oder ähnlich geruchsintensives in den Öffis. Das ist einfach Geruchsbelästigung und einfach ekelhaft und nicht nur für Berlin gültig. 😉

  6. Hallo Maggie, oh ja, da hast du Recht! Genau wie in London legen die Berliner großen Wert auf eine Seite zum Stehen und eine zum gehen auf der Rolltreppe 😉 Und ja, Rücksicht in den Öffentlichen sollte überall eine Selbstverständlichkeit sein. Danke für die Tipps! LG, Juliane

  7. Ein weiteres DO:
    Türen der U- und S-Bahn für Aussteigende frei lassen. (Erst ausschiffen – dann einschiffen.) Eine Ochsenherde würde sich vor die Türen stellen und dann wundern, wenn keiner aussteigt. Ebendiese drängen sich auch in die Waggons, wenn Fahrgäste noch aussteigen.
    Rechtzeitig vor Ankunft im Bahnhof zur Tür gehen. Sitzend die Einfahrt genießen und dann gegen den Strom aussteigen ist unüberlegt.
    Dann schön laut unterhalten: Sollen Mitreisende doch wissen, wo Ihr her kommt.
    Und vor allem:
    Unbedingt eine „Berliner Weiße“ (gern mit Schuß) kosten. Wenn die nicht im oben offenen halbrunden Glas serviert wird seid Ihr in einem Touristenabfertigungs-Restaurant, nicht in einer Berliner Kneipe.

  8. Hallo Gustchen, Recht hast du! Gerade an den zentralen Stationen mit vielen Linien sieht man das leider immer wieder – und dann geht nichts mehr. Und die Berliner Weiße gehört natürlich ins Glas! Aus der Flasche oder gar Dose genossen zählt nicht 😉 LG, Juliane

  9. Toller Bericht, die Ratschläge sind super!
    Zu Berlin fällt mir spotan noch das ein: Taxifahrt in Berlin: An der ersten Kreuzung zeigt die Ampel Rot, der Taxifahrer mit Vollgas drüber. Der Fahrgast wundert sich, sagt aber nichts.
    Zweite Kreuzung, wieder Rot, erneut mit Vollgas über die Kreuzung.
    An der dritten Ampel ist Grün, der Taxifahrer macht eine Notbremsung. Der Fahrgast sagt: „Bei Rot fahren Sie über die Kreuzung und bei Grün bremsen Sie wie ein Wahnsinniger, können Sie mir das erklären?“
    Sagt der Taxifahrer: „Es hätte ein Kollege kommen können!“

Juliane
Juliane kennt sich bestens im Bereich Geschäftsreisen aus und ist eine Expertin, was die Abläufe hinter den Kulissen von Hotels betrifft. Sie liebt es, auch auf Businesstrips kleine Sporteinheiten einzuplanen, kennt sich als gebürtige Berlinerin in der Kulturszene der großen deutschen Metropolen bestens aus und hat ein besonderes Faible für neu eröffnete Hotels und herausragenden Service. Julianes Lieblingshotels sind das Gewandhaus Dresden Autograph Collections und das moderne Grimm's Hotel am Potsdamer Platz in Berlin!